5.000 Dollar für Gorbi
In der Schlussphase Michail Gorbatschows und des Sowjetreiches nahm die Korruption explosionsartig zu. So war auch 1990 das Angebot eines ehemaligen Bonner Korrespondenten der sowjetischen Nachrichtenagentur Nowosti in Bonn nicht ungewöhnlich, “Bild am Sonntag” für 5.000 Dollar ein Interview mit dem Kreml-Chef vermitteln zu können. Ich flog mit einem Kollegen nach Moskau, die VIP-Durchschleusung am Flughafen sprach für den Einfluss des Mannes. Wir wurden im Gästehotel der KPdSU untergebracht, in dem es – damals ungewöhnlich - Gurken und Tomaten zum Frühstück gab, und gingen abends ins erste private Restaurant in Moskau.
Am nächsten Tag sollte das Gorbatschow-Interview stattfinden. Kurz zuvor kam der Nowosti-Mann, der wegen des drastischen Devisenmagels in die Heimat zurückgerufen worden war, und sagte, er bräuchte noch 2.500 Dollar für Gorbatschows engsten Berater Wadim Walantinowitsch Sagladin. Wir kratzten unser letztes Geld zusammen und fuhren gemeinsam in den Kreml. Dort ging’s zügig in Allerheiligste, in den Trakt, in dem Gorbatschow residierte - in endlosen Gängen vorbei an den in Glasvitrinen ausgestellten kitschigen Geschenken ausländischer kommunistischer Bruderparteien.
Der Nowosti-Mann sprach erst einmal unter vier Augen mit Sagladin, dessen Büro direkt neben dem Gorbatschows lag, dann wurden wir hinzugebeten. Wir führten mit Sagladin ein durchaus spannendes Hintergrundgespräch über die Lage in der Sowjetunion, allerdings vertröstete er uns mit dem Gorbatschow-Interview auf den nächsten Tag. Am nächsten Morgen bekamen wir mitgeteilt, das der Kreml-Chef leider plötzlich andere Termine habe. Aus dem Interview wurde nichts, die 7.500 Dollar waren futsch. Aber immerhin vermittelte der Nowosti-Mann noch ein Interview mit Eduard Schewardnadse, dem gerade zurückgetretenen Außenminister, der damals im Gespräch für den UN-Vorsitz war.








