Samstag, 19. April 2014, 14:13 Uhr

Keine Wiederauferstehung für die SPD

Es ist Ostern, sieben Monate nach der verheerendenWahlniederlage der SPD, aber für die Partei gibt es immer noch keine Wiederaufstehung. Sie ackert und rackert, legt einen Gesetzentwurf nach dem anderen vor, kaum ein Tag vergeht ohne Pressekonferenz eines SPD-Ministers. Aber in den Umfragen tut sich nichts.

Die SPD bleibt festgemauert in ihrem 25 bis 26 Prozent-Turm – und das, obwohl die CDU bisher kaum sichtbar wurde. Ihre Minister glänzen – bis auf den Gesundheitsminster – durch mediale Abwesenheit oder verirren sich wie Frau von der Leyen im Dschungel internationaler Militäreinsätze.

Noch abwesender ist die CSU und nicht nur der Koalitionspartner wartet mit Häme darauf, dass Alexander Dobrindt mit der PKW-Maut scheitert.

Warum hat sich die ganze Rackerei bisher für die SPD nicht gelohnt? Die Antwort ist einfach: Die SPD hat bisher nur die sozialpolitischen  Wahlversprechen eingelöst, für die sie 25,7 Prozent bekommen hatte.

Sie arbeitet ihre Wahlniederlage nach und stärkt lediglich ihre ohnehin immer zugestandene Sozialkompetenz. Darüber hinaus bewegt sich nichts. Auch die doppelte Staatsbürgerschaft wird – wenn überhaupt – nur auf die ebenfalls immer zugestandene gesellschaftspolitische Kompetenz eiinzahlen.

Woher sollen also zusätzliche Stimmen kommen? Wenn die SPD so weiter macht, wird sie ihren 25,7-Prozent-Turm nicht verlassen. Und in wenigen Monaten wird auch das Anfangsfeuerwerk verglüht sein und der graue Alltag regieren. Und das kann Angela Merkel besser.

Die Frage, ob die SPD eine Wiederauferstehung erlebt, hängt von zwei entscheidenden Faktoren ab:

1. die SPD muss Wirtschafts- und Finanzkompetenz beweisen.

2. die Wähler müssen Merkel-müde werden.

Beides ist bisher nicht in Sicht. Eine wichtige für Bewährungsprobe für die SPD ist die Energiewende. Gelingt es Sigmar Gabriel, sowohl Verbraucher als auch Industrie zufriedenzustellen, dann könnten er und die SPD an Kompetenz gewinnen. Aber das ist die Quadratur des Zirkels, die wahrscheinlich jeden Politiker überfordern würde.

Die SPD tröstet sich jetzt damit, dass ihr die Meinungsforscher deutlich mehr Zukunftskompetenz zuschreiben als der CDU/CSU. Stimmt, aber das ist ein nebulöser Begriff. Er könnte nur mit neuen überzeugenden Initiativen zur Bildungs-, Forschungs- und Familienpolitik gefüllt werden.

Und die SPD hofft, dass ihr ehemalige SPD-Wähler bei der Europawahl mal wieder testhalber die Stimme geben. Weil es ja nicht um viel geht. Und weil man – zumindest ein bisschen – zum ersten Mal einen Deutschen zum EU-Kommissionspräsidenten wählen kann.

Aber das ist eine vage Hoffnung, insbesondere dann, wenn man bedenkt, dass bei der Europa-Wahl das Wählerpotential der vorausgegangenen Bundestagswahl in der Regel nur zu einem Drittel ausgeschöpft werden kann.

Und bei internationalen Krisen, wie jetzt die Ukraine-Krise, scharen sich die Wähler um die Kanzlerin, nicht um den SPD-Außenminister. Da kann er noch so viel reisen und noch so oft den Dialog anmahnen.

Also keine Wiederauferstehung der SPD  in Sicht. Aber bis zur Bundestagswahl ist ja noch dreimal Ostern

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Montag, 17. Februar 2014, 09:02 Uhr

Oppermann muss gehen

Um sich zu vergegegenwärtigen, wie dünn das Eis ist, auf dem Thomas Oppermann noch tanzt, muss man sich nur vorstellen, er hätte in der Großen Koalition seine Wunschposition Innenminister bekommen. Dann wäre er heute schon weg, zurückgetreten wie Hans-Peter Friedrich.

Denn dann hätte Oppermanns Anruf bei BKA-Chef Ziercke, mit dem er sich nach dem Stand der Edathy-Ermittlungen erkundigen wollte, schon als Rücktrittsgrund gereicht. Denn mit diesem Anruf, da liegen Unionspolitiker nicht falsch, wollte er Ziercke offenbar zum Bruch des Dienstgeheimnisses verleiten. Einen Beamten, dessen Vorgesetzter er dann heute wäre.

Oppermann trennt derzeit also von dem Rücktritt nur noch sein heutiges Amt als Fraktionsvorsitzender. In der Sache, aus Gründen der politischen Hygiene und wegen einer gedeihlichen zukünftigen Zusammenarbeit in der Goßen Kosalition scheint aber sein Rücktritt auch in diesem Amt unausweichlich.

Die CSU und Teile der CDU wollen Blut sehen. Sie werden keine Ruhe geben, bis Sigmar Gabriel Oppermanns Kopf auf dem Koalitionstablett präsentiert. Da hilft auch keine Machtwort der Kanzlerin, die ansonsten das große Glück hatte, von Friedrich über Sebastian Edathy nicht informiert worden zu sein. Denn dann hätte sie den schwarzen Peter gehabt.

Wie vergiftet jetzt schon das Koalitionsklima ist, zeigen die Aufforderungen aus der Union, die SPD-Spitze solle über ihr Verhalten eidesstattliche Versicherungen abgeben. Normalerweise folgt dann nur noch die Scheidung. Da aber beide Parteien diese nicht wollen, muss ein zweites personelles Opfer gebracht werden – Thomas Oppermann. Auch dann wird es für die Große Koalition wieder sehr schwer, zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zurückzufinden, aber es ist die einzige Chance.

Selbst dann, wenn diese Operation gelingen sollte, bleibt immer noch ungeklärt, wer wann wen worüber informiert und wer Sebastian Edathy gewarnt hat, so dass er möglicherweise Beweise vernichten konnte.  Reichte schon das Gespräch Oppermanns mit Edathy als Warnung, indem er ihm keine Zukunftsperspektiven aufzeigen wollte und und konnte?

Und wer hat Edathy über die bevorstehende Aufhebung seiner Immunität informiert? Dass es eine Durchstecherei gegeben haben muss, beweist die zeitliche Abfolge: am 6. Februar schickte die Staatsanwaltschaft Hannover ihren Brief nach Berlin ab, am 7. Februar legte Edathy “aus gesundheitlichen Gründen” sein Mandat nieder.

Dies alles mus schonungslos und in allen Einzelheiten aufgeklärt werden, wenn die Bürger nicht das Vertrauen in den Rechtsstaat und die Gleichbehandlung aller Bürger vor dem Gesetz verlieren sollen.

Nachtrag: Ich weise noch einmal darauf hin, dass ich ab heute nur noch Kommentare mit Klarnamen oder Pseudonyme mit einem bei mir per Kontaktformular hinterlegten Klarnamen freigeben kann.

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Donnerstag, 06. Februar 2014, 12:23 Uhr

Die Gesetze bajuwarischer Politik

Erfahrene Ethnologen kann nicht überraschen, was sich derzeit in Bayern rund um die Energiewende abspielt. Denn sie kennen die vier Gesetze der bajuwarischen Stämme und der bayerischen Politik:

1. Mia san mia.

2. Erst kommt Bayern, dann wieder Bayern, dann lange nichts, und dann erst Deutschland.

3. Für eine bayerische Staatspartei, für die sich die CSU hält, ist das Wahlergebnis in Kulmbach allemal wichtiger als solche Kinkerlitzchen wie Atomausstieg oder Energiewende.

4. Was schert mich mein Geschwätz von gestern. Das ist allerdings eine von Bayern übernommene alte rheinische Volksweisheit, erstmals für die Politik formuliert von Konrad Adenauer.

Und deshalb ist es nicht überraschend, dass der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer vor den Kommunalwahlen all das in Frage stellt, was er in Berlin mitbeschlossen hat. Er ist gegen Windkrafträder, gegen neue Stromtrassen und sogar gegen Pumpspeicherkraftwerke. Also gegen alles, was Wähler vor Ort für nicht notwendig halten, was aber notwendig ist, um den Atomausstieg tatsächlich bis 2022 hinzubekommen. Was ohnehon schon sehr ambitioniert ist.

Das St-Florians-Prinzip greift in Bayern voll: Verschon’ mein Haus, zünd’ andere an. Horst Seehofer nennt seine Abkehr von der Energiewende ein Moratorium, weil angeblich neue Fakten aus Berlin  abzuerwarten seien und sowieso alles noch völlig unklar sei. Unklar allerdings ist nur die Politik Seehofers.

Da aber auch bayerische Bürger und die bayerische Wirtschaft Strom von außerhalb der Landesgrenzen brauchen, kann man vorhersagen, dass das sogenannte Moratorium nur bis 16. März , dem Tag der Kommunalwahlen, gilt. Dann greift wieder das 4. Gesetz: Was schert mich mein Geschwätz von gestern.

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Freitag, 17. Januar 2014, 16:11 Uhr

Die falschen Doktoren in der Politik

Was treibt Menschen an, darunter viele Politiker, unbedingt einen Doktor-Titel führen zu wollen? Auch einen durch Betrug oder dubiose Auslandspromotionen erschlichenen?

Erhoffen Sie sich mit dem Dr. vor dem Namen bessere Karrierechancen, eine höhere gesellschaftliche Reputation? Hat es die Familie von ihnen verlangt oder kompensieren sie Minderwertigkeitskomplexe? Oder ist es reine Eitelkeit? Wahrscheinlich von allem etwas.

Dieser Drang lässt immer wieder Politiker extreme Risiken in Kauf nehmen. Werden sie beim unberechtigten Führen eines Doktor-Titels erwischt, wie jetzt der CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, drohen das Karriereende und der gesellschaftliche Absturz. War nicht Karl Theodor zu Guttenbergs Schicksal Warnung genug? Sind das die zwei Buchstaben wert?

Der CSU-Generalsekretär hätte doch einfach seinen merkwürdigen tschechischen Doktor-Titel “PhDr.” korrekt führen oder ganz darauf verzichten können. Er wurde schon im März 2011 durch einen “Stern”-Bericht gewarnt, ohne dass er Konsequenzen daraus zog. Seiner Karriere hätte der Verzicht sicher nicht geschadet.

Weil er aber einmal damit angefangen hat, den Dr. wie eine Trophäe vor seinem Namen herzutragen, kam er am Ende aus der selbstgebauten Falle nicht mehr heraus. Jetzt steht der Karrierist als armseliger Wicht da.

Wieso trat ihm nicht der Angstschweiß auf die Stirn, als er die populistische Parole seiner Partei “Wer betrügt, der fliegt” verteidigte? Schauer sagte: “Wir haben das richtige Thema gefunden, weil die Bürgerinnen und Bürger auf unserer Seite sind”. Auf seiner zumindest nicht mehr.

Weder Helmut Schmidt noch Gerhard Schröder hatten einen Doktor-Titel und sie wurden Kanzler. Horst Seehofer hat auch keinen. Aber das ist auch ein anderer Politikertypus. Die Gegenbilder zu den Guttenbergs, Koch-Mehrins oder Scheuers dieser Welt. Sie haben sich im Leben und in der Politik mit Können und Mut nach oben durchgeboxt, waren und sind keine Karrieristen.

Sie gingen politisch ins Risiko, nicht mit angeblichen akademischen Weihen. Die sind in der Politik nicht viel wert. Da kommt es auf andere Qualitäten an.

Ein Gutes hat der Fall Scheuer. Er hat die üble CSU-Kampagne der angeblich drohenden Masseneinwanderung von Armutsflüchtlingen der Lächerlichkeit preisgegeben. Bei jedem “Wer betrügt, der fliegt” wird künftig ein homerisches Gelächter ausbrechen.

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Freitag, 03. Januar 2014, 14:14 Uhr

Braucht Deutschland die CSU?

Braucht Deutschland (noch) die CSU? Diese Frage stellt sich, weil die CSU wieder einmal mit der Absicht, ihre rechte Flanke für kommende Wahlen zu sichern, Ausländerfeindlichkeit schürt, Deutschland im Ausland massiv schadet und die gerade gebildete Regierung ohne Not in Turbulenzen stürzt.

Die CSU-Kampagne gegen den angeblich “fortgesetzten Missbrauch der Freizügigkeit in der EU durch Armutseinwanderung” folgt der Maßgabe von Franz Josef Strauß. rechts neben der CSU dürfe keine demokratisch legitimierte Partei entstehen. Bisher mussten dafür die Türken herhalten, jetzt sind Bulgaren und Rumänen dran.

Die Methode ist immer dieselbe: eine angeblich drohende Gefahr aus dem Ausland  für den deutschen Wohlstand wird mit übergroßen Zeichen an die Wand gemalt, um sich selbst als Retter vor dieser Gefahr zu inszenieren.

Dabei schlagen auch diesmal die beiden klassischen CSU-Reflexe wieder durch – Selbstüberschätzung und Minderwertigkeitskomplexe. Selbstüberschätzung gehört zu DNA der CSU, die Minderwertigkeitskomplexe werden  immer dann virulent, wenn die CSU glaubt, auf Bundesebene nicht mehr so ernst genommen zu werden wie es ihr gebühre.

Genau das ist ihr aktuelles Problem: sie ist in den nächsten vier Jahren nicht wichtig. In schwarz-gelben Koalitionen ist sie zur Mehrheitsbildung unverzichtbar. Aber in einer Großen Koalition, die über 504 Sitze im Bundestag verfügt, sinken Einfluss und Drohpotenzial einer 56-Abgeordneten-Partei dramatisch. CDU und SPD allein verfügen über eine Zweidrittelmehrheit.

Die schwindende Bedeutung der CSU war schon bei der Kabinettsbildung zu beobachten, bei der sich die CSU mit zweitrangigen oder nur optisch aufgewerteten Ministerien begnügen musste.

Die CSU ist objektiv nur ein Anhängsel der Großen Koalition. Und sie ist national überhaupt nur noch deshalb einigermaßen bedeutend, weil sie im Bundestag eine Fraktionsgemeinschaft mit der CDU bildet und weil sie als Schwesterpartei mit ihren Positionen der CDU-Führung einen Aufstand des eigenen  konservativen Flügels und konservativer Wähler vom Leib hält.

Wähler, die sich durch eine liberalisierte und sozialdemokratisierte CDU nicht mehr repräsentiert sehen, trösten sich mit der CSU – selbst dann, wenn sie diese gar nicht wählen können.

Ein weiterer Grund, warum die CSU noch nationale Bedeutung hat, ist die Hasenfüßigkeit der CDU, die sich nicht traut, einen bayerischen Landesverband zu gründen. Das durch Franz Josef Strauß in Kreuth 1976 mit dem Beschluss einer Auflösung der Fraktionsgemeinschaft beinahe provozierte Schisma von CDU und CSU steckt beiden Parteien noch tief in den Knochen.

Ein drohender Bruderkrieg hält die CDU davon ab, in Bayern anzutreten. Dann wäre wahrscheinlich die CSU immer noch die stärkste Partei, wäre aber auf ewige Koalitionen mit der CDU angewiesen. Das wäre das Ende des Selbstverständnisses der CSU als bayerischer Staatspartei. Aber auch die CDU würde verlieren, wenn die CSU bundesweit anträte.

Deshalb besteht der Anachronismus einer reinen Regionalpartei fort, die gleichzeitig bundespolitische Ansprüche anmeldet. Objektiv gesehen, braucht vielleicht Bayern die CSU, Deutschland in den nächsten vier Jahren aber nicht. Die Große Koalition ginge auch ohne sie.


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