Montag, 03. Februar 2014, 13:25 Uhr

Die Chuzpe der Alice Schwarzer

Chuzpe gehört zum Geschäft. Das weiß ein erfahrener Medienprofi wie Alice Schwarzer. Deshalb versucht sie im Eiltempo, den Fall ihrer jahrzehntelangen Steuerhinterziehung zu einem Justiz- und Medienskandal umzudeuten. Angriff ist immer noch die beste Verteidigung.

Die Frauenrechtlerin hofft mit ihrem Getöse, den Fall von sich weg- und der Justiz und dem “Spiegel” zuschieben zu können. Das kann nicht gelingen, denn nur die Weitergabe eines Falles von Selbstanzeige ist strafbar, nicht aber die Veröffentlichung.

Und es scheint auch kein deutscher Justizfall zu sein, wenn es stimmt, dass die Informationenen aus der Schweiz angeboten wurden. Da sollte Frau Schwarzer eher einmal bei ihrer langjährigen Komplizenbank in der Schweiz nachfragen.

Ins Leere greift deshalb auch ihr Vorwurf, sie werde wegen ihres Kampfes gegen die Prostitution und das Ehegatten-Splitting verfolgt. Es ist besonders ärgerlich, dass sich Alice Schwarzer gleich zweimal als politisch Verfolgte ausgibt. Einmal, als sie die angeblichen 2,4 Millionen Euro wegen der  “Hatz” auf sie in die Schweiz brachte, weil sie glaubte, auswandern zu müssen. Zum zweiten mal jetzt.

Das ist ziemlich durchsichtig und schäbig und zeugt von wenig Einsicht. Es ist eine Pose der Selbstgerechtigkeit, kein Plädoyer für Gerechtigkeit.

Deshalb zurück zum Kern des Steuerfalles Alice Schwarzer. Sie hat jahrzehntelang Geld in die Schweiz gebracht und die Zinsen nicht versteuert. Dass sie mit dieser Steuerhinterziehung beträchtliche Gewinne gemacht haben muss, davon zeugt die Nachzahlung in Höhe von 200.000 Euro. Und sie hat sich  wohl auch nicht aus Einsicht und Reue selbst angezeigt, sondern weil immer mehr Steuer-CDs auftauchten und sie ihre Enttarnung fürchten musste.

Und sie hatte bei der Selbstanzeige noch Glück: die Zinsen, die ihrem Konto gutgeschrieben wurden, musste sie offenbar nur zu einem Teil nachversteuern, weil die Verjährungsfrist 10 Jahre beträgt. Also ist sie imer noch eine Gewinnerin. Steuerhinterziehung lohnte sich in ihrem Fall doch. Hinzu kommt, dass die strafbefreiende Selbstanzeige seit Jahren politisch umstritten ist und aus Gründen der Steuergerechtigkeit abgeschafft gehört.

Was bleibt: wieder einmal hat – wie im Fall Hoeneß – ein moralischer Zeigefinger der Republik ausgespielt. Alice Schwarzer ist künftig eine andere als bisher. Das schmälert – ähnlich wie im Fall Hoeneß – nicht die persönlichen Verdienste, die sich Frau Schwarzer zweifellos um die Emanzipation der deutschen Frauen erworben hat. Aber sie ist eben auch nur ein schwacher Mensch und keine moralische Instanz.

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Sonntag, 29. Dezember 2013, 11:37 Uhr

Die Mär vom Kampagnenjournalismus

Kampagnenjournalismus gehört sicher zu den Wörtern des Jahres. Skandalisierung auch. Im Jahr 2013 haben sich die Politiker ungewöhnlich erbost mit den Medien beschäftigt und die Medien mit sich selbst. Manche bis zur Selbstgeißelung.

Banalitäten würden zu Skandalen aufgebauscht, Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens kampagnenartig fertiggemacht, lauten die Vorwürfe. Als Beispiele fallen in der Debatte immer wieder die Namen Christian Wulff, Uli Hoeneß und Peer Steinbrück.

Ist das wirklich so? Besteht Anlass, sich über den Zustand der Medien ernsthaft Sorgen zu machen. Ein neues, beängstigendes Phänomen etwa?

Betrachten wir die Dinge einmal nüchtern. Angebliche Pressekampagnen gab es schon immer. Franz Josef Strauß stand jahrelang im Visier des “Spiegel”, Graf Lambsdorff beschwerte sich über journalistische “Todesschwadrone” und Oskar Lafonataine ließ im Saarland gegen die ungeliebten Journalisten die Pressegesetze verschärfen.

Rita Süssmuth musste wegen ihrer Dienstwagenreisen zur Tochter in Schweiz wochenlang Schlagzeilen ertragen und Ulla Schmidt wegen ihrer Urlaubsreise mit dem Dienstwagen nach Spanien. Ein neues Phänomen sind die angeblichen Kampagnen also nicht.

Und in der Regel waren die Vorwürfe so gravierend, dass selbst eine kampagnenartig wirkende Berichterstattung nicht unangemesen erschien. Warum also jetzt? Gehen die Medien zu weit mit ihrer Kritik?

Ein Erklärungsversuch hängt mit der existenziell bedrohten Lage der Printmedien zusammen. Und dem daraus resultierenden verschärften Konkurrenzkampf. Immer weniger Journalisten in immer weniger Vollredaktionen müssen um immer mehr um Aufmerksamkeit kämpfen.

Und die Onlinemedien brauchen alle drei Stunden neue Themen und neue Schlagzeilen, um Clicks zu generieren. Da wird auch schon mal ein Bobby-Car und ein Pinot Grigio unter fünf Euro skandalisiert. Das ist natürlich unzulässig und völlig übertrieben, aber ist das typisch für den angeblich neuen Trend zur Skandalisierung?

Bei allen drei Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich von den Medien verfolgt fühlen, ist der Kern der Vorwürfe wahr. Christian Wullf hat Stil und Anstand vermissen lassen, Gefälligkeiten angenommen, die ein kluger Politiker nicht annimmt, und – als darüber berichtet wurde – mit Teilwahrheiten und Täuschungsversuchen reagiert und schließlich Journalisten auch noch bedroht.

Ein Bundespräsident, der sich derart verstrickt, steht, schon seiner Vorbildfunktion wegen, in einer solchen Situation zwangsläufig im Zentrum eines Mediensturms.

Natürlich gab es auch Jagdeifer und Übertreibungen, aber im Kern sind die Journalisten ihrer Aufklärungsfunktion nachgekommen. Der Eindruck einer Kampagne konnte nur entstehen, weil Wulff so unglücklich agiert und damit immer neue Recherchen und Berichte provoziert hat. Das staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren gegen einen amtierenden Bundespräsidenten brachte dann das Fass zum Überlaufen und zwang Wulff zum Rücktritt. Das ist aber nicht den Medien anzulasten.

Oder der Fall Hoeneß. Ein Prominenter, für viele ein Vorbild, hinterzog mit den Gewinnen aus fragwürdigem “Spielgeld” Millionen Euro an Steuern. Ein Mann, der sich – wie Christian Wulff – selbst gerne zum moralischen Zensor aufspielte. Das ist natürlich ein Stoff für lang anhaltende und intensive Berichterstattung.

Dass der Fall bekannt wurde, liegt nicht an unsauberen Methoden von  Journalisten, sondern an den Durchstechereien aus der bayerischen Politik im Jahr der Landtagswahl. Von Kampagnenjournalismus kann auch im Fall Hoeneß keine Rede sein. Und durch seine selbstgerechte Reaktion und sein Beharren auf seinem öffentlichen Status fachte Hoeneß den Mediensturm weiter an.

Schließlich der Fall Steinbrück, der nur ein Fall werden konnte, weil er in der SPD, der selbsternannten “Partei der kleinen Leute”, seinen Anfang nahm. Ein Vortragsmillionär als Kanzlerkandidat – so das brisante Thema. Es wurde zuerst angeheizt durch die politischen Gegner (Dobrindt: “Steinbrück ist ein Produkt der Finanzindustrie”), die eine Chance zur charakterlichen Vernichtung sahen.

Dass es auch ein großes Medienthema wurde, lag an der unsensiblen Krisenbewältigung Steinbrücks, der noch drei Tage vor seiner Nominierung vor Privatkunden einer höchst umstrittenen schweizer Privatbank sprechen wollte. Damit war der Ton gesetzt, der von den Medien aufgegriffen wurde. Und der sich bei neuen Ungeschicklichkeiten, vom “Peerblog” bis zum Stinkefinger, potenzierte. Auch deshalb, weil die Kluft zwischen Steinbrück und seinem prononciert linken Wahlkampf zu groß war und Fragen nach der Glaubwürdigkeit aufwarf.

Kampagnenjournalismus? Sicher gab es auch hier Übertreibungen, aber keine Kampagne, schon gar keine orchestrierte. Ein Spitzenpolitiker steht in einem Wahlkampf unter schärferer Beobachtung als gewöhnlich. Steinbrück selbst hat Harry S. Truman zitiert: “Wer die Hitze nicht aushält, sollte nicht in die Küche gehen”.

Fast alles, was als Beleg für das angeblich neuartige Phänomen des Kampagnenjournalismus dienen soll, hält ernsthafter Prüfung nicht stand. Medien müssen sich immer wieder selbst überprüfen, ob ihre Berichterstattung angemessen ist. Das ist in dem einen oder anderen Fall unterblieben, aber kein Beweis dafür, dass “die Medien” neuerdings Perönlichkeiten des öffentlichen Lebens kampagnenartig grundlos fertigmachen.

Und eine Presse, die ihre Kritik an den Mächtigen übertreibt, ist mir immer noch lieber als eine handzahme.  Besondere Vorsicht ist übrigens  geboten, wenn Politiker “Haltet den Dieb” rufen.

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Samstag, 03. November 2012, 18:07 Uhr

Die Pressefreiheit und der Wurstvorrat

Dass Markus Söder in seiner Zeit als Generalsekretär der CSU mehrfach beim ZDF interveniert hat, wie jetzt “Der Spiegel” berichtet, kann nur denjenigen überraschen, der auch an den Weihnachtsmann glaubt. Natürlich hat er das getan.

Denn genau so versteht ein von seiner Partei in den Fermsehrat entsandter Politiker seinen Job. Was soll er denn sonst dort? Etwa darüber wachen, dass das ZDF objektiv berichtet und sich der Inanspruchnahme der Pressefreiheit würdig erweist?

Natürlich nicht. Ein parteiisches Rundfunk- oder Fernsehratsmitglied vertritt die Interessen seiner Partei. Deshalb sitzt es ja in dem Gremium. Und dann moniert es notfalls auch, dass seine bayrische  CSU – neben Angela Merkel -  nicht  auch noch in den TV-Nachrichten zum Rücktritt von Matthias Platzeck als SPD-Chef Stellung nehmen durfte. Das kann nur demjenigen absurd erscheinen, der das öffentlich-rechtliche System nicht verstanden hat.

Es geht um die Sicherung von Einfluss und von Pfründen. In Anlehnung an ein Bonmot von  Graf Lambsdorff: Eher bewacht ein Hund einen Wurstvorrat als ein Parteipoltiiker die Pressefreiheit. Das wissen nicht nur TV- und Rundfunk-, sondern auch Printjournalisten.

Deshalb ist es müßig, sich jetzt wieder über die CSU aufzuregen. Denn um die Pressefreiheit geht es keinem Politiker in ARD- oder ZDF-Gremien – egal, von welcher Partei.

Die Partei-Räte kümmern sich um parteigenehme Personalentscheidungen – zum Beispiel darum, dass der Landeskorrespondent auch die politische Farbe der Landesregierung hat oder dass das Rechts-Links-Schema bei der Besetzung der Führungspositionen “fair” eingehalten wird. Und sie wachen mit der Stoppuhr darüber, dass die Sendeminuten dem Parteiproporz entsprechen.

So verstehen sie ihren Job. Und das wird sich auch solange nicht ändern, solange aktive Parteipolitiker nicht aus den Rundfunk- und Fernsehräten verschwinden. Solange werden (oder müssen) Intendanten wie Markus Schächter auf Briefe wie die von Söder antworten, statt sie dorthin zu werfen, wohin sie gehören – in den Papierkorb.

P.S Ein Beispiel, wie man auch reagieren kann. Als Franz-Josef Strauß in einem Brief an Axel Springer meine Entlassung als Bonner Büroleiter von BILD und “Bild am Sonntag” verlangte, gab ihn Springer an den Chefredakteur weiter und der an mich, damit ich die Antwort formuliere.

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Montag, 27. August 2012, 15:48 Uhr

Der Abschied vom “Spiegel” rückt näher

Bindungen an eine Zeitung oder Zeitschrift sind Beziehungsgeschichten. Man hängt aneinander oder man lebt sich auseinander. Manchmal dauert die Beziehung ein Leben lang, in anderen Fällen sind es nur Lebensabschnittspartnerschaften.

Jetzt stehe ich wieder einmal vor der Frage, ob ich einen solchen, langjährigen Lebensabschnittspartner verabschiede.

Es geht um den “Spiegel”, den ich seit meinem 13. Lebensjahr lese, aus dessen Geschichten ich mir als Jugendlicher ein politisches Privatarchiv aufgebaut hatte. Früher nahm ich ihn mehrmals in die Hand: in der ersten Lesung die vier oder fünf spannendsten Artikel, in der zweiten und dritten fast den ganzen Rest. Mindestdauer: drei bis vier Stunden. Heute bleibt es bei einer Lesung und die dauert kaum eine halbe Stunde.

Nehmen wir den neuesten “Spiegel”. Schon der Titel ist ein Signal: Kauf mich nicht! “Aufstand der Bundesbank” mit dem blassen Bankbürokraten Jens Weidmann auf dem Titel, Chef einer einflusslosen Behörde, die personell so aufgebläht ist wie der griechische Staatsapparat.  Aha, sage ich mir, eine Maus klopft von unten gegen den Tisch. Lesen muss ich das nicht, denn die Ansichten des Bundesbank-Chefs sind mir aus der Tagespresse weidlich bekannt.

Nach den üblichen dpa-Zusammenfassungen der Woche bleibe ich bei dem bewegenden Interview mit Wolfgang Bosbach hängen – über Krebs, Leben, Tod und die politische Sucht, die den Nichtraucher und mäßigen Alkoholtrinker nicht loslässt.

Warum ist das keinen Titel wert? Das Schicksal eines der bekanntesten deutschen Politikert, der Bilanz zieht. Das hätte man vertiefen können, daraus hätte man mehr machen können. Oder ist das zu boulevardesk?

Mehr, außer zwei Personalien und der Würdigung Georg Lebers in den Todesnachrichten, war in der ersten Lesung nicht drin. Ich bezweifle, ob ich das Blatt noch ein zweites Mal zur Hand nehme. So weit geht die alte Liebe nicht. Zwingen will ich mich nicht.Trotz der 4,20 Euro.

Ich frage mich, bin ich inzwischen ein desinteressierter alter Sack oder ist der “Spiegel” von Jahr zu Jahr, von Woche zu Woche uninteressanter und langweiliger geworden? In der letzten Ausgabe zum Beispiel war mir nur die Wulff-Geschichte wirklich wichtig. Ansonsten viel Kolportage und Routine.

In der eigentlichen Wulff-Affäre lebte der “Spiegel” von BILD-Brosamen, die letzte relevante Enthüllung war der geplante Verkauf deutscher Leopard-Panzer an Saudi-Arabien. Und das ist mehr als ein Jahr her. Die Vorabmeldungen werden immer mehr, der Inhalt immer dünner.

Zeitungs- und Zeitschriftenmacher pflegen eine wohlfeile Lebenslüge: das Internet nimmt uns die Leser weg, besonders die jüngeren. Das stimmt zwar zum Teil, aber die meisten Käufer und Leser vergraulen die Journalisten selbst. Der “Stern” zum Beispiel seit Jahren.

Ihn zu lesen, ist schon lange keine Pflicht mehr. Seine Titel sind unverständlich, seine Stories abgehangen wie ein Steak, das seit drei Monaten an der Wäscheleine hängt (zum Beispiel die Reportage über Mitt Romney).

Die “Stern”-Macher verleihen einen Henri-Nannen-Preis, wissen aber nicht mehr, wie der brillante Provokateur die Leser bewegt hat.Den “Stern” kaufe ich nur noch wegen der Hans-Ulrich-Jörges-Kolumne und der Rätsel, worauf meine Frau besteht. Ein bisschen wenig für 3,50 Euro.

Dass es auch anders geht, beweisen die beiden wichtigsten, an- und aufregendsten Blätter der Republik: die “Süddeutsche” und die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” (FAS). Sie präsentieren die exklusiven News, die im “Spiegel” schon lange nicht mehr stehen, und überraschen die Leser mit Themen, die kein anderer hat.

Für beide gilt der Satz: “Guter Journalismus zeigt sich darin, dass ich etwas lese, wovon ich vorher nicht wusste, dass es mich interessiert”. Ein Werktag ohne “Süddeutsche”, ihren blendend geschriebenen Reportagen, ihren fundierten Hintergrundberichten, Analysen und Kommentare ist ebenso ein armer Tag wie ein Sonntag ohne FAS.

Lesen muss auch Spaß machen, neue Einsichten bringen, muss die Gedanken anregen, den Leser länger beschäftigen als nur die Zeit der Lektüre. Diesen Anspruch erfüllen beide Blätter. Vom “Stern” und “Spiegel” rückt der Abschied näher. Unsere Wege werden sich trennen. Leider.

P.S. Meine Lektüre besteht zurzeit aus den genannten Blättern sowie “Spiegel-Online” (unverzichtbar!), Google-News, DWDL.de (ein Medienmagazin), BILD und der immer noch guten alten Tante  FAZ, die manchmal erfrischend jung ist.. Wenn ich viel Zeit habe auch noch aus der FTD und dem “Tagesspiegel”.

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Dienstag, 21. August 2012, 12:46 Uhr

Ein Freund, ein guter Freund

Christian Wulff soll 18.000 Euro im Jahr mehr “Ehrensold” erhalten – eine Folge der Gehaltserhöhung für den amtierenden Bundespräsidenten. Die automatische Erhöhung für Wulff ist ärgerlich, aber nicht das eigentliche Problem. Das Hauptärgernis ist nach wie vor, dass er überhaupt einen “Ehrensold” von künftig 217.000 Euro im Jahr erhält.

Wie wenig er ihn verdient hat, zeigt die “Spiegel”-Veröffentlichung über seine Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft in der Causa seines ehemaligen “siamesischen Zwillings” Olaf Glaeseker. Er tut so, als habe er sein alter ego, ohne das er überhaupt nicht in politische Spitzenämter gekommen wäre, kaum gekannt.

Wulff: Sein langjähriger Sprecher und Spin-Doctor sei kein Vertrauter im wechselseitigen Sinne gewesen, habe ihm nichts von seinen Urlauben erzählt und sei häufig unterwegs gewesen, ohne dass er, Wulff, gewusst habe, was er treibe. Wulff behauptet das, obwohl an den Urlauben bei Eventmager Manfred Schmidt auch Wulffs Ex-Frau und seine Tochter teilnahmen.

Wulff macht sich, wie der Volksmund sagt, einen schlanken Fuß. Um sich nicht selbst zu belasten, lässt er seinen Freund und Zwillingsbruder fallen. Das toppt noch die charakterlichen Defizite, die von Wulff bisher bekannt waren.

Seine Einlassungen, deren Inhalt nur vom Staatsanwalt oder – nach Akteneinsicht – von Glaeseckers Verteidigung stammen können, beweisen wieder einmal, wie notwendig sein Rücktritt war. Sie sind genauso unglaubwürdig wie die Aussage, das Geld, das er Filmunternehmer David Groenevold für einen Sylt-Hotelaufenthalt in bar übergeben haben will, stamme von der Mutter seiner Frau und sei von Bettina Wulff mehr als acht Monate zu Hause aufgehoben worden.

Wulff geht mit seiner Verteidigungsstrategie einen riskanten Weg. Denn neben den laufenden Ermittlungen wegen Bestechlichkeit könnte ihm auch ein neues Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage im Fall Glaeseker drohen.


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