Dienstag, 30. April 2019, 16:38 Uhr

Neue Köpfe braucht das Land

Nach der Europa-Wahl verlässt eines der wenigen überzeugenden Kabinettsmitglieder die Bundesregierung: Justizministerin Katarina Barley geht nach Brüssel. Ihr Wechsel wäre ein guter Anlass für eine große Kabinettsumbildung. Denn in der schwarz-roten Regierung gibt es deutlich mehr Schatten als Licht. Die Liste der angeschlagenen Minister ist lang.

Dazu gehört Anja Karliczek, Ministerin für Bildung und Forschung. Sie versteht nichts von Bildung und schon gar nichts von Forschung. Keine Bildungsfachmann oder Wissenschaftler nimmt sie ernst.

Ein Totalausfall ist auch Verkehrsminister Andreas Scheuer, ein Autolobbyist mit Hang zur Lächerlichkeit.

Und Umweltministerin Svenja Schulze ist eine reine Sprechblasenpolitikerin.

Ablösungsreif ist auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier, der in Ludwig Erhards viel zu großen Schuhen planlos durch die Unternehmenslandschaft tapst.

Innenminister Horst Seehofer hat immer noch nicht kapiert, dass auch Wohnungsbau zu seinem Ressort gehört. Und als Heimatminister vergisst er, genügend Geld für die Feiern zum 30. Jahrestag der deutschen Einheit zu beantragen.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner ist eine Agrarlobbyistin und als Verbraucherschützerin eine reine Ankündigungsministerin.

Und Ursula von der Leyen ist überhaupt nur noch deshalb Verteidigungsminister, weil kein anderer dieses nicht beherrschbare Ressort haben will.

Es gäbe also viel zu tun. Solange aber Angela Merkel Kanzlerin ist, wird nichts passieren. Wenn die Große Koalition aber bis 2021 regieren will, dann braucht sie einen Neuanfang – mit neuen Köpfen.

 

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Freitag, 15. Februar 2019, 16:52 Uhr

Wetten auf die Zukunft

CDU und SPD gehen Wetten auf die Zukunft ein. Sie sind nicht ohne Risiko. Die CDU rückt in der Flüchtlingspolitik ein Stück nach rechts, die SPD in der Sozialpolitik nach links. Beide in der Hoffnung, dadurch verloren gegangene Wähler zurückzugewinnen.

Gleichzeitig befrieden beide Partner der Großen Koalition ihre eigenen Parteien. Plötzlich lobt Juso-Chef Kevin Kühnert seine Vorsitzende Andrea Nahles und CSU-Chef Markus Söder sieht in der CDU “die konservative Seele versöhnt”.

Die Wetten enthalten aber mehrere Risiken. Es ist völlig ungewiss, ob die CDU AfD-Wähler zurückgewinnen kann, solange Angela Merkel regiert. Und genauso unsicher ist es, ob die SPD bei der Linkspartei wildern kann.

Die Originale können immer radikaler sein als die beiden Volksparteien. Und gleichzeitig geben CDU und SPD Raum in der Mitte frei, der den Grünen und der FDP zugute kommen kann. Die Europa-Wahl und die ostdeutschen Landtagswahlen sind der Lackmustest.

Und ein weiteres Risiko liegt in der Operation: nicht einmal ein Jahr nach dem Start der GroKo streben beide Partner wieder auseinander. Die Risse werden tiefer, permanenter Koalitionsstreit liegt in der Luft. Da können beide noch so oft versichern, sie planten nur für die Zukunft.

Falls die Große Koalition nach der Europa-Wahl oder im Herbst platzt, dann haben beide Parteien immerhin wieder ein klares Profil – ein gegensätzliches. Sie sind wieder unterscheidbarer.

Dieser Text erschien heute im Rahmen meiner Kolumne im “Berliner Kurier”.

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Montag, 12. November 2018, 14:07 Uhr

Merkels letzter Dienst

Das absurde Theaterstück “Horst Seehofers würdeloser Abschied” nimmt einfach kein Ende. Die Spielzeit wird sogar verlängert. Jetzt will Seehofer zwar als CSU-Chef abtreten, aber als Bundesinnenminister bleiben. Dieses Amt sei von seinem Rücktritt “in keiner Weise berührt”.

Wie weit kann der Realitätsverlust eines Politikers noch gehen? Die Zerrüttung der Großen Koalition hat er doch in erster Linie als Innenminister begangen – mit seinem Masterplan und dem Fall Maaßen. Und genau dieses Amt, für das er sich vollständig disqualifiziert hat, will er behalten. Von einem Neustart der GroKo könnte dann keine Rede mehr sein.

Wenn die CSU nicht ein Einsehen hat und ihn nach seinem Ende als Parteichef auch aus dem Kabinett zurückzieht, dann muss Angela Merkel der CDU/CSU und der Großen Koalition noch einen letzten Dienst erweisen und ihn feuern. Die CSU würde sich nicht sperren und die Republik würde aufatmen.

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Sonntag, 28. Oktober 2018, 18:59 Uhr

Seehofers zweiter Streich

Er stand zwar nicht zur Wahl in Hessen, aber er hat nach Bayern auch sie entschieden: Horst Seehofer, der Zerstörer der Großen Koalition. Offensichtlich spielten auch in Hessen die Wut und der Verdruss über die Berliner Regierung die entscheidende Rolle. Sowohl CDU als auch SPD hatten dagegen mit ihrer landespolitischen Erfolgsbilanz beziehungsweise mit ihren landespolitischen Themen keine Chance.

Diese Wut über Berlin geht zu 90 Prozent auf das Konto von Horst Seehofer. Erst sein sinn- und maßloser Streit mit der Kanzlerin über seinen sogenannten Masterplan und die Zurückweisung von Flüchtlingen an den Grenzen. Dann der Fall Maaßen, der überhaupt nur dadurch entstehen konnte, dass Seehofer dem Präsidenten des Bundeamtes für Verfassungsschutz mit offenkundiger inhaltlicher Billigung die Genehmigung für sein umstrittenes BILD-Interview gegeben hatte.

Diese beiden Ereignisse prägten maßgeblich das Bild von der Großen Koalition, von CDU/CSU und SPD auf Bundesebene. Sie führten zum Autoritätsverfall von Angela Merkel. Sie selbst allerdings hatte auch ihren Teil zum Verdruss beigetragen – mit ihrer Sprachlosigkeit, ihrer Führungsschwäche und ihrer mangelnden Einschätzung der Wählerstimmung im Fall Maaßen. Und natürlich auch die SPD-Chefin Andrea Nahles, die der unfassbaren Beförderung Maaßens zugestimmt hatte.

Dafür haben CDU und SPD erneut die Quittung erhalten. Der zweite Denkzettel ist die letzte Abmahnung. Wenn die Große Koalition jetzt nicht zur Vernunft kommt, hat sie keine Existenzberechtigung mehr. Die CDU wird – so wie es jetzt aussieht –  die Nerven behalten, bei der SPD ist das noch offen. Aber ein Ausstieg aus der GroKo wäre Selbstmord aus Angst vor dem Tod. CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer hat für diesen Fall schon Neuwahlen angekündigt.

Voraussetzung für ein Überleben der Großen Koalition ist aber jetzt erst recht das politische Ende von Seehofer. Die CSU muss ihn endlich in Rente schicken. Wenn er in der Regierung bleibt, besteht keinerlei Aussicht auf Stabilisierung.

Der Erfolg der Grünen ist verdient. Sie machen zur Zeit alles richtig. Sie haben die richtigen Themen und die richtige Führung. Sie sind ein Stabilitätsanker. Sie sind der einzige glaubwürdige Gegenpol zur AfD.

Wenn es beim Stand der Hochrechnungen bleibt, dann ist Jamaika die einzige Regierungsoption in Hessen. Und das muss, wie Schleswig-Holstein zeigt, kein Schaden sein.

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Donnerstag, 11. Oktober 2018, 12:21 Uhr

Der Teufel in der CSU

Wenn ein bösartiger Feind der CSU einen teuflischen Plan ausgeheckt hätte, wie er die Partei auf 33 bis 35 Prozent schrumpfen kann, dann hätte er folgendes gemacht:

1. Er hätte permanent in der Bundesregierung, der die CSU angehört, Streit angefangen und ihn wochen- und monatelang mit großer Rechthaberei fortgesetzt. Und dabei auch einen Bruch der Großen Koalition in Kauf genommen.

2. Er hätte immer wieder Bundeskanzlerin Angela Merkel öffentlich angegriffen und versucht, sie zu stürzen, zumindest aber ihre Autorität zu zerstören.

3. Er hätte ununterbrochen über das Thema Flüchtlinge und Flüchtlingskriminalität geredet und  niemals auf die bisherigen Erfolge der Integration hingewiesen. Dadurch wäre es ihm gelungen, die gute und erfolgreiche Regierungsarbeit, die die CSU in Bayern geleistet hat, völlig in Vergessenheit geraten zu lassen.

4. Er hätte dies in einer Sprache getan, die sich kaum noch von der der AfD unterscheidet.

5. Und er hätte kurz vor der Landtagswahl in der CSU einen Streit darüber angefangen, wer an der drohenden Niederlage schuld ist.

So wäre es ihm gelungen, einen Teil der CSU-Wähler zur AfD zu treiben, und einen anderen Teil zu den Grünen.

Das Irre daran ist: genau das hat die CSU getan, genau das, worauf nur ihr ärgster Feind gekommen wäre. Und so kommt es, dass die CSU am Sonntag wahrscheinlich bei 33 bis 35 Prozent landet.

Dieser Beitrag erscheint morgen im Rahmen meiner Kolumne im “Berliner Kurier”.