Warum Kohl Todenhöfer vernichten wollte

Im Sommer, wenn die Politik ruht, kann ein Politiker, der nicht auf den vorderen Bänken im Bundestag sitzt, auch mal in die Schlagzeilen kommen. So auch Jürgen Todenhöfer, ein hoffnungsvolles CDU-Talent, im Sommer 1978. Helmut Kohl war Oppositionsführer, kein besonders guter, es bahnte sich an, dass er auch die nächste Wahl gegen Helmut Schmidt verlieren würde.

So kam Todenhöfer im Gespräch mit mir für ein BILD-Interview auf die hübsche Formulierung über Helmut Kohl: “Im Schlafwagen kommt man nicht an die Macht”. Kohl tobte wie ein wütender Elefant und setzte fortan alles daran, Todenhöfer politisch zu vernichten. Über die von ihm abhängigen CDU-Politiker in Rheinland-Pfalz ließ er Todenhöfer den Platz auf der Landesliste und den Wahlkreis für die Bundestagswahl 1980 wegnehmen – in der Hoffnung, ihn für immer aus der Politik zu verbannen.

Todenhöfer aber fand in Baden-Württemberg politisches Asyl und kam über den Wahlkreis Tübingen doch wieder in den Bundestag. Allerdings hatte er bis zu seinem Abschied von der Politik 1989, als er zu seinem Schulfreund Hubert Burda in den Verlag ging, keine Chance mehr, irgendein bedeutendes Amt zu erreichen. Elefanten haben ein langes Gedächtnis.

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Freitag, 19. Juni 2009, 18:19 Uhr

So funktioniert Merkels Personalpolitik

Ein beliebtes Spiel ist zur Zeit im politischen Berlin: Wer wird nach der Wahl neuer EU-Kommissar als Nachfolger von Günter Verheugen? Denn nichts ist schöner als Personalspiele. Dass es ein CDU-Mann wird, steht fest, denn selbst dann, wenn es erneut zu einer großen Koalition kommen sollte, wäre die SPD so geschwächt, dass sie keinen SPD-Kommissar durchsetzen könnte. Und von der CDU schwirren zwei große Namen durch die Medien: Friedrich Merz und Roland Koch.

Merz ist absolut chancenlos, obwohl er sich peinlicherweise gerade wieder für Ämter angeboten hat (“Wenn ich gebraucht würde…”). Angela Merkel aber würde sich eher ein Bein abhacken, als ihren Erzfeind Merz nach Brüssel zu befördern. Sie hat vom späten Helmut Kohl gelernt: Umgib dich mit schwachen Leuten. Und Roland Koch, dem es nach zwei trostlosen Wahlergebnissen in Hessen keinen Spaß mehr macht und dem die Landespolitik zu eng geworden ist, hat keine Aufstiegschancen mehr. Er muss den Becher in Hessen wohl bis zum bitteren Ende auslöffeln. Den Weg auf den Sessel des Wirtschaftsministers hat ihm Karl-Theodor zu Guttenberg verbaut, den er seit den Opel-Nächten herzlich hasst. Und Brüssel? Warum sollte Merkel Koch eine neue politische Bühne bieten, von der aus er wieder zum Rivalen werden könnte?

In dieser Lage ist ein Mann zum Favoriten geworden, den viele gar nicht mehr in Erinnerung haben: Peter Hintze, Ex-Pfarrer, Ex-Diener von Helmut Kohl, Erfinder der “roten Socken”, der seit 2005 seit politisches Dasein in der einträglichen Bedeutungslosgkeit eines parlamentarischen Staatsekretärs im Wirtschaftsministerium fristet. Hintze, der schon eifrig Brüsseler Organigramme zeichnet und herumzeigt, passt perfekt in Merkels Personalschema: noch bedeutungsloser als Ronald Pofalla, noch unauffälliger als Volker Kauder. Auf seine Loyalität kann sich Merkel hundertprozentig verlassen, von ihm würde nie der Hauch einer Gefahr drohen. Hintze wäre ein williger Brüsseler Gehilfe für Merkels Europa-Politik. Hintze for Kommissar – so wird es kommen.

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Kohl & Biedenkopf – der Anfang vom Ende

Im Bundestagswahlkampf 1976, es sah so aus, als würde die CDU/CSU mit ihrem Kanzlerkandidaten Helmut Kohl gewinnen, saß ich mit Kohls Generalsekretär Kurt Biedenkopf in der “Unionsstube” im Bonner Adenauer-Haus. Kurz vor Ende des Gesprächs entwickelte Biedenkopf eine verwegene Theorie. Seiner Meinung nach gibt es zwei Arten von Politikern: solche, die als populäre Zugpferde Wählerstimmen gewinnen können und solche, die dann, wenn eine Wahl gewonnen wird, die Macht übernehmen und regieren sollten, weil sie dafür besser geeignet und ausgebildet seien.

Obwohl er keine Namen nannte, war klar, wen er gemeint hatte: Kohl für den Wahlkampf und sich selbst fürs Regieren. Kohl traute er offenbar das Kanzleramt nicht zu. Seine Machtphantasien konnte er aber nicht in die Tat umsetzen, weil die CDU/CSU zwar grandiose 48,6 Prozent der Stimmen errang, aber dennoch eine paar Zehntelprozente zu wenig, um die Regierung zu übernehmen. Ein Jahr später trennten sich Kohl und Biedenkopf.

Biedenkopf brauchte dann noch 14 Jahre, bis er selbst einmal Macht ausüben konnte – als Ministerpräsident in Sachsen. Und dies aber auch nur, weil zuvor Lothar Späth und Heiner Geißler abgesagt hatten.

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Warum Strauß meine Entlassung forderte

Im Mai 1980, Franz-Josef Strauß war schon CDU/CSU-Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl im selben Jahr, verlor die CDU die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen mit Pauken und Trompeten. In der CDU und in den Medien wurde diese Wahl als Testwahl für Strauß gewertet und der CSU-Chef für die Niederlage verantwortlich gemacht.

Über die Reaktionen schrieb ich in BILD auf Seite 1: “Während Franz-Josef Strauß die Wunden seiner Niederlage leckte, ging Helmut Kohl vor der Bundespressekonferenz in die Offensive…”. Das war für den bayrischen Löwen eine Majestätsbeleidgung. Denn natürlich waren seiner Meinung nach der von ihm verachtete Helmut Kohl und die CDU die Schuldigen. Strauß hatte schon früher in einem Gespräch mit mir bei Kohl einen “Wackelkontakt” festgestellt.

Strauß regte sich über den Satz in BILD so sehr auf, dass er vormittags zu Hause blieb, seine Sekretärin kommen ließ und ihr einen vierseitigen Protestbrief an Axel Springer diktierte, der in der Forderung gipfelte, mich wegen völliger Unkenntnis der politischen Zusammenhänge zu entlassen. Axel Springer verhielt sich korrekt und schickte den Brief zur Beantwortung an BILD-Chefredakteur Günter Prinz, der ihn wiederum an mich weiterleitete, damit ich den Antwortentwurf schreibe. So geschah es auch und ich lehnte es ab, mich zu feuern.

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Merz & Merkel – so fing alles an

Warum sind Friedrich Merz und Angela Merkel von Parteifreunden zu erbitterten Feinden geworden? Auch in der CDU rätseln immer noch viele, wie es so weit kommen konnte, dass sich Friedrich Merz, eines der größten CDU-Talente, mit der Bundestagswahl 2009 aus der Politik völlig zurückzieht. Denn Merz und Merkel waren lange Zeit Verbündete – 1999 bei dem Sturz des Denkmals Helmut Kohl und Anfang 2000 bei dem Sturz Wolfgang Schäubles als Partei- und Fraktionschef, dessen Ämter sie unter sich aufteilten. Um das Zerwürfnis zu verstehen, hilft eine Schlüsselszene, die mir Angela Merkel 2002 erzählte:

Merz war gerade Fraktionschef geworden und fuhr zum Antrittsbesuch bei Edmund Stoiber nach München. Als er zurückkam, traf er Merkel und berichtete ihr in Hochstimmung, Stoiber habe keine Ambitionen, 2002 Kanzlerkandidat zu werden. “Das mache ich dann”, teilte er der überraschten Angela Merkel mit. Und er setzte dann, offenbar verblüfft über seine eigene Kühnheit, hinzu: “Aber Angela, was machst du dann?”. Merkel reagierte cool ( ”Mach` dir mal keine Sorgen”) und ließ es dabei bewenden.

Seit diesem Gespräch waren die beiden erbitterte Rivalen. Merkel wusste, dass für sie der Weg ins Kanzleramt nur über die Entmachtung von Merz führen wird. Deshalb war ihre zentrale Bedingung, als sie Anfang 2002 beim berühmten Wolfratshausener Frühstück Stoibers Kanzlerkandidatur zustimmte, dass sie nach der Bundestagswahl auch Fraktionsvorsitzende wird. Damit war das Schicksal von Merz besiegelt, denn Stoiber hielt sich an die Vereinbarung, schenkte Merz aber vor der Wahl nie reinen Wein ein. Der glaubte bis zuletzt, auch aus der für ihn typischen Überheblichkeit, er könne Fraktionsvorsitzender bleiben und fühlte sich beim Sechs-Augen-Gespräch am Wahlabend von Stoiber verraten.


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