Die taktische Partei
Wenn eine Tür aufgeht, fällt eine andere zu. So ist das bei der CDU. Die Partei öffnet mit ihrem Beschluss zum Mindestlohn für die Zeit nach 2013 die Tür zur SPD und den Grünen und schließt gleichzeitig die Tür zur desolaten FDP. So verwaschen der Beschluss auch ist, er ist ein Signal: Wir können nach 2013 auch anders.
Mit ihrem Leipziger Parteitag hat sich die CDU endgültig als taktische Partei positioniert. Als eine Partei, die ihr Programm den machtpolitischen Gegebenheiten anpasst. Wenn’ s mit den einen nicht mehr geht, dann muss man eben Brücken zu den anderen bauen. Es geht schließlich um höhere Ziele, um den Machterhalt.
Mit ihrem Modernisierungskurs trägt Angela Merkel zwar auch den veränderten gesellschaftlichen Realitäten Rechnung, aber dahinter steckt weniger die Einsicht als das taktische Moment. Das ist nicht verboten, aber es irritiert natürlich diejenigen Wähler, die bisher noch glaubten, einer Partei ginge es um die Durchsetzung ihrer auf einem klaren Fundament basierenden Ziele. Deshalb kann die CDU auch kaum noch definieren, was sie ist und was ihr Fundament ist.
Was Merkel auf dem Parteitag nannte (Freiheit, soziale Marktwirtschaft, christliches Familienbild) ist entweder wohlfeil, weil unverbindlich, oder längst auch Gemeingut von SPD und Grünen. Merkel muss jetzt nur sehr aufpassen, dass nicht das Betreuungsgeld, insbesondere in der Reichen-Variante der CSU, ihren taktischen Wandel konterkariert.
So werden die Parteien (mit Ausnahme der Linkspartei) zwar immer ähnlicher und verwechselbarer, aber die Zahl der Machtoptionen steigt. Es müssen nur noch die Wähler mitspielen. Solange es aber keine konservative Partei mit einer charismatischen Führungspersönlichkeit rechts von der CDU gibt, solange kann bei reduzierten Stimmanteilen das Kalkül aufgehen.








