Karrierewege

Politiker machen häufig Karriere auch deshalb, weil andere Nein sagen. Wäre der CSU-Politiker Günther Beckstein auch dann (vorübergehender) bayrischerMinisterpräsidenten geworden, wenn die Strauß-Tochter Monika Hohlmeier 2002 Ja gesagt hätte, als Edmund Stoiber sie in sein Kompetenzteam (Schattenkabinett) aufnehmen wollte?

Monika  Hohlmeier war die erste Wahl des CSU-Kanzlerkandidaten für das Kompetenzteam. Er wollte, dass sie nach einem Wahlsieg Familienministerin wird. Sie aber sagte Nein, weil sie aus familiären Gründen nicht nach Berlin wollte. So kam Günther Beckstein zum Zug (als Schatten-Innenminister) und errang bundesweite Prominenz, die wiederum auch seine Popularität in Bayern steigerte.

Und die Absage Hohlmeiers beförderte die junge ostdeutsche CDU-Politikerin (und damals unverheiratete Mutter) Katherina Reiche ins Rampenlicht, die Stoibers Schattenministerin für Familie, Frauen und Jugend wurde. Weil das aber Stoibers und nicht Angela Merkels Idee war, stockte anschließend ihre Karriere. Erst 2005 wurde sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende und ist heute parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium. Ministerin aber ist sie nicht geworden.

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Donnerstag, 04. August 2011, 13:18 Uhr

Ein Jäger stellte sich, aber…

Endlich hat sich einer der Jäger gestellt: einer der prominentesten Plagiatsjäger offenbarte sich bei “Spiegel-Online”, der Gründer von VroniPlag. Er heißt Martin Heidingsfelder, alias Goalgetter, und ist selbstständiger Programmierer in Erlangen.  

Allerdings ist das Interview ziemlich nichtssagend und lässt die entscheidenden Fragen offen. Warum hat sich Heidingsfelder von Guttenplag abgespalten, nachdem es seine (anonymen) Mitstreiter abgelehnt hatten, die Doktorarbeit von Veronica Stoiber zu untersuchen? Warum hat er ein Portal nur zur Verfolgung einer Privatperson gegründet, einer Frau, die außer der Tatsache, dass ihr Vater Edmund Stoiber heißt, keine Person der öffentlichen Interesses ist?

Der Name VroniPlag deutet schon darauf hin, dass es ihm um eine persönliche Angelegenheit ging – sicher kein ehrenwertes Motiv. Dass VroniPlag anschließend noch die FDP-Europaabgeordneten Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzmarkakis zur Strecke brachte, ändert nichts an diesem Befund. Und die Tatsache, dass sich ein Jäger endlich gestellt hat, ändert nichts an der Schwarmfeigheit im Internet.

Solange Heidingsfelder nicht seine Motive für die Gründung von VroniPlag enthüllt, bleibt der Verdacht bestehen, dass er das Internet missbraucht hat.

Lesen Sie dazu auch meine Beiträge “Die Jäger müssen sich stellen” und “Schwarm-Intelligenz und Schwarm-Feigheit”

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Käsekuchen

Als ich 2002 Wahlkampfmanager von Edmund Stoiber wurde, erhöhte sich die Zahl meiner “Freunde” schlagartig. Auch unter denen, die auf ein Ministeramt spekulierten. Als noch nicht bekannt war, dass Lothar Späth unter einem Kanzler Stoiber Superminister für Wirtschaft und Arbeit werden sollte, lud mich Matthias Wissmann zu – von seiner Sekretärin - selbstgebackenem Käsekuchen ein, Roland Berger ging mit mir in den Berliner Capital-Club, Olaf Henkel suchte dringend das Gespräch. Und bei allen dreien wurde ich das Gefühl nicht los, dass das verkappte Bewerbungen waren.

Wirtschaftsleute sind da übrigens sehr  fexibel, denn Berger gefiel sich auch als Gerhard Schröders Berater und Henkel begehrte 1998 nachdrücklich – aber erfolglos - bei Schröders Siegesparty Einlass.

Zu bunt wurde es mir allerdings, als eine Zeitung meldete, Berger werde unter einem Kanzler Stoiber Wirtschaftsminister. Von Stoiber oder aus seinem Umkreis war das nicht gekommen. Nachdem wir die Meldung unkommentiert ließen, musste der Testballon wieder auf den Boden geholt werden. Bergers Büroleiter rief mich an, er werde gegenüber den Medien erklären, Berger stünde nicht zur Verfügung. Ich sagte ihm daraufhin, wenn er dies tue, würde ich erklären, er sei auch nicht gefragt worden. Nach langem Hin und Her gab Bergers Büro die korrekte Erklärung ab, er sei nicht gefragt worden und stünde auch nicht zur Verfügung.

Die ganze Zeit stand die Entscheidung für Späth längst fest. Die Berufung Späths war die einzige Personalentscheidung, die Stoiber schon am Anfang der Kampagne getroffen hatte und von der nur fünf Leute wussten. Eines der wenigen Geheimnisse in der Politik, das tatsächlich monatelang geheim blieb. Als Stoiber die Späth-Personalie vertraulich dem CSU-Generalsekretär mitteilte, stand sie am nächsten Tag in der “Süddeutschen”.

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Verstörende Autogrammwünsche

Zu meinen verstörendsten Erlebnissen gehören Autogrammwünsche. Solche Ansinnen sind einem Journalisten völlig fremd. Zu meiner Zeit als Edmunds Stoibers Wahlkampfmanager kamen fast täglich Anfragen nach einem Foto mit Autogramm - mit frankierter Rückantwort.

Meine Mitarbeiter rieten mir, Autogrammkarten drucken zu lassen. In diese Falle ging ich allerdings nicht. Dies wäre mir in der CDU/CSU als beginnende Hybris ausgelegt worden. Meist hielt ich es so wie auch noch heute, wenn nach einer Talkshow gelegentlich Sammler-Anfragen kommen: ich schreibe einen freundlichen Absagebrief, in dem ich darlege, dass ich für Autogrammwünsche nicht wichtig genug bin. So kommt der Empfänger wenigstens zu meiner Unterschrift.

Noch verstörender war 2002 der CSU-Aschermittwoch in Passau: dutzende Besucher wollten meine Unterschrift auf dem “Bayernkurier”. 

Einen besonderen Fan hatte ich in meiner Stoiber-Zeit auch: eine Frau schickte mir wunderbare selbstgefertigte, edelholzumhüllte Füllfederhalter und Kugelschreiber. Ich besitze sie noch heute. Die freundliche Dame erhielt eine Einladung zum Wahlabend ins Adenauer-Haus, der aber bekanntermaßen nach Stoibers voreiligem Ausruf “Ich werde heute ein Glas Sekt öffnen” auch für sie enttäuschend endete.

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Die Botschaftergespräche

Vorsicht, lautet jetzt die Parole in Berlin, wenn Du mit ausländischen Diplomaten sprichst. Das ist natürlich Unsinn, denn es kommt immer darauf an, was man sagt und nicht wem. Und dass man keine Geheimnisse ausplaudert.

Vor wenigen Wochen (also vor den Wikileaks-Enthüllungen) meldete sich bei mir ein amerikanischer Generalkonsul und bat um ein Treffen. Natürlich werde ich den Mann treffen und ihm genau das sagen, was ich immer sage oder schreibe. Das kann er dann gerne auch als Botschaftsbericht weitermelden.

So habe ich es immer gehalten: als Korrepondent in Bonn traf ich mich mit Diplomaten jeder Couleur, von Rumänen, Chinesen bis zu Amerikanern oder Holländern. Genauso habe ich mich auch verhalten, als ich Edmund Stoibers Wahlkampfmanager war. Da lud mich der britische Botschafter zum Essen in die Botschaft ein, der französische zum Tee (umgekehrt wäre besser gewesen). Das waren offene Gespräche und mit Sicherheit tauchte ich anschließend in der Wahlkampfeinschätzung der beiden Diplomaten auf, die sie an ihre Heimatministerien schickten. Aber warum auch nicht?


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